„Macht bloß keine Umstände!“

Hamburg, 19. Dezember 2020. Den Livestyle-Trend „Cocooning“ kennen noch viele aus den 1980er-Jahren: man schaffte sich ein behagliches Zuhause, igelte sich freiwillig ein und ließ die Welt außen vor. Die zweite Cocooning-Welle in den 2010ern war zwar auch ein Rückzug ins Private, lässt sich jedoch mit „Einladen statt Ausgehen“ beschrieben. Zum damaligen Lebensgefühl gehörte Übernachtungs-Besuch absolut dazu.

Durch die Covid-19-Pandemie findet zurzeit ein verordnetes Cocooning statt. Allerdings ist in Zeiten des Lockdowns der Rückzug ins Häusliche mit nur wenigen Sozialkontakten genau das Gegenteil von den lustvollen Koch- und Spieleabenden vor 10 Jahren. Familien, die wochenlang auf engem Raum miteinander auskommen müssen, fragt man besser nicht nach der Renaissance dieses Trends.

Abgesehen von der Corona-Lage, Weihnachten naht und mit seinen Herzensmenschen möchte man gern feiern. Gäste über Nacht im Haus zu haben, braucht einige Vorbereitungen – und am besten kommt man miteinander aus, wenn alle ein paar Hinweise beachten.
 
Empfehlungen für Gastgeber

Gute Gastgeber schaffen eine Atmosphäre, in der alle unbeschwert sein können. Das ist oft harte Arbeit. Wer ein Gästezimmer anbieten kann, ist fein raus. Andernfalls wird umquartiert: kleine Kinder mit ins Elternschlafzimmer, Gast ins Kinderzimmer, ein Bett auf der Couch bereiten oder sogar das eigene Schlafzimmer anbieten. Wie auch immer – mit Multifunktionsmöbeln, Klappmatratzen und Paravent lässt sich meistens eine akzeptable Schlafzone schaffen. Wer in einem anderen Haushalt übernachtet, freut sich über eine durchdachte Grundausstattung: frische Bettwäsche, Handtücher, eine Leselampe und eine Wasserflasche am Bett sowie eine Ablage oder etwas Platz im Kleiderschrank, einige Kleiderbügel, freie Steckdose für das Handy-Ladekabel und das WLAN-Passwort.

„Fühl dich ganz wie zu Hause!“

Mit dieser Aufforderung sollten Gastgeber sparsam umgehen, allzu leicht nimmt das jemand wörtlich und benimmt sich dann auch so wie bei sich zu Hause. Redebedarf gibt es, wenn Frühaufsteher bei Langschläfern nächtigen: „Frühstück gibt’s bei uns so gegen 10:00 Uhr, aber für den ersten Kaffeedurst ist hier die Anleitung für unsere Kaffeemaschine.“

Dos und don‘ts für Übernachtungs-Gäste
Wer eingeladen ist, sollte sich den Gepflogenheiten und dem Rhythmus im Gasthaus anpassen. Ernsthafte Speiseunverträglichkeiten werden vorab deklariert, besondere Ernährungsphilosophien nicht den Gastgebern aufgezwungen.

Standardfragen sollten sein: „Wie kann ich behilflich sein?“, „Wann geht ihr morgens ins Bad?“, „Wo darf ich rauchen?“, „Kann ich mich an den Kosten für … beteiligen?“
Mit Air-Pods im Ohr die meiste Zeit zurückgezogen chillen kommt genauso schlecht an, wie seine Gastgeber als Animateure zu betrachten. Vertrauensverhältnis hin oder her: das Hoheitsrecht über Bar und Kühlschrank bleibt beim Einladenden. Auch der Gast muss manchmal Contenance bewahren: etwa bei einem lauthals ausgefochtenen Ehekrach oder wenn die Kinder nerven.  

Manchmal hilft es, hin und wieder bis 10 zu zählen – dann kann es nur noch schön werden. Ein alter Spruch bewahrheitet sich allerdings oft: „Besuch und Fisch fängt nach drei Tagen an zu stinken.“

Redaktion: Susanne Helbach-Grosser, TAKT & STIL; Imme Vogelsang, iv-imagetraining

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