Warum im Flugzeug Kleinigkeiten über gute oder schlechte Stimmung entscheiden

Fliegen ist eigentlich eine faszinierende Sache: Innerhalb weniger Stunden bringt uns ein Flugzeug an Orte, für die unsere Urgroßeltern Wochen gebraucht hätten. Trotzdem scheint es manchmal, als würden beim Betreten der Kabine die guten Manieren gemeinsam mit dem Aufgabegepäck verschwinden.

Dabei braucht es gar nicht so viel, um den Flug für alle angenehm zu gestalten. Schon beim Einsteigen gilt: Gelassenheit gewinnt. Der Sitzplatz läuft schließlich nicht weg, auch wenn manche Passagiere den Gang entlang sprinten, als gäbe es einen Pokal für den schnellsten Platznehmer. Wer anderen den Vortritt lässt und kurz wartet, bis jemand seinen Koffer verstaut hat, spart am Ende meist mehr Nerven als Zeit.

Apropos Handgepäck: Die Gepäckfächer über den Sitzen sind kein privater Dachboden. Wer seinen Trolley platzsparend verstaut und seine Tasche oder den Rucksack unter dem Vordersitz unterbringt, hilft allen Mitreisenden. Niemand freut sich über die Durchsage, dass das Handgepäck doch noch in den Frachtraum muss, weil ein einzelner Koffer gleich zwei Fächer belegt.

Hat man seinen Platz erreicht, beginnt das Abenteuer „Sitznachbarn“. Ein freundliches Lächeln und ein kurzer Gruß wirken oft Wunder und man schafft sofort ohne große Anstrengung eine angenehme Atmosphäre. Gespräche mit dem Sitznachbarn sind ein bisschen wie das Bordmenü: Sie können eine angenehme Überraschung sein – müssen aber niemandem aufgezwungen werden. Ein kurzer Austausch beim Start reicht oft schon aus. Entwickelt sich daraus ein nettes Gespräch – umso schöner. Greift der Nachbar hingegen lieber zum Buch, schließt die Augen für ein Nickerchen oder setzt die Kopfhörer auf, ist das meist die höflichste Art zu sagen: „Ich genieße jetzt einfach mal die Ruhe.“ Und auch das ist völlig in Ordnung. Ein gutes Gespür für die Signale des Gegenübers ist die beste Reisebegleitung. Und falls der Mittelsitz besetzt ist: Der Mensch dort hat ohnehin schon das härteste Los gezogen. Ein bisschen Rücksicht bei Armlehnen und Bewegungsfreiheit macht den Flug für alle entspannter.

Ein echter Klassiker unter den kleinen Flugzeug-Dramen ist die Rückenlehne. Auf Kurzstrecken sollte man, wenn möglich darauf verzichten, die Rückenlehne zu verstellen und wenn ja, dann nicht komplett und spätestens beim Essen wieder in die gerade Position befördern.

Ein kurzer Blick nach hinten oder ein freundliches „Ist das für Sie in Ordnung?“ wirkt oft Wunder. Und falls der Sitz plötzlich doch etwas energischer nach hinten saust, muss daraus kein internationales Luftverkehrsproblem entstehen. Ein freundliches „Darf ich Sie bitten, die Lehne wieder einen Tick nach vorne zu stellen? Ich kämpfe gerade mit meinem Laptop.“ Oder „Können Sie Ihren Sitz bitte wenn das Essen kommt, wieder senkrecht stellen? Das wäre sehr nett, vielen Dank. Jetzt wünsche ich Ihnen erstmal ein erholsames Nickerchen.“

Das kommt meist besser an als ein genervtes Seufzen oder das berühmte rhythmische Gegentreten gegen die Rückenlehne. Denn seien wir ehrlich: Das löst selten das Problem – sorgt aber zuverlässig für schlechte Stimmung in Reihe 17.

Dasselbe gilt für nächtliche Flüge: Die Leselampe ist praktisch – allerdings eher zum Lesen als zur kompletten Ausleuchtung der Kabine.

Nicht zu vergessen: das Smartphone. Natürlich möchte man direkt nach der Landung Familie, Freunde oder Kollegen informieren. Doch während das Flugzeug noch rollt, muss niemand bereits im Gang stehen, telefonieren und gleichzeitig versuchen, den Koffer aus dem Gepäckfach zu angeln. Die Türen öffnen sich nicht schneller, nur weil alle gleichzeitig aufspringen.

Besonders spannend wird es nach der Landung. Kaum setzen die Räder auf, klicken überall die Gurtschlösser, obwohl das Anschnallzeichen noch leuchtet. Kurz darauf stehen die ersten Passagiere im Gang und warten – oft in leicht gebückter Haltung – darauf, dass sich die Flugzeugtür öffnet. Tatsächlich geht es meist genauso schnell, einfach sitzen zu bleiben, bis die eigene Reihe an der Reihe ist. Das Reißverschlussverfahren ist hier genauso sinnvoll wie auf der Autobahn. Rücken und Mitreisende werden es danken.

Knigge im Flugzeug bedeutet also nicht steife Etikette oder komplizierte Regeln. Es geht vielmehr um Aufmerksamkeit, Gelassenheit und ein wenig gegenseitige Rücksicht. Schließlich sitzen wir alle für einige Stunden in einer fliegenden Metallröhre auf engstem Raum. Wenn jeder ein kleines bisschen an die anderen denkt, landet nicht nur das Flugzeug sicher – sondern auch alle entspannt und in guter Stimmung.

Redaktion: Kristin Koschani-Bongers; Imme Vogelsang, iv-Imagetraining

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