Feedback bekommen wir ständig – auch dann, wenn wir es nicht so nennen: ein Blick, ein Seufzer, ein kurzes „passt schon“. Gerade weil Rückmeldungen im Alltag oft implizit sind, lohnt es sich, das Thema bewusst zu machen: Was hilft wirklich weiter? Und wie bleibt man klar, ohne hart zu werden – sowohl beim Geben als auch beim Nehmen? Die folgenden Punkte sind eine praktische Orientierung, um Feedback als Lernmoment zu nutzen, statt als Machtspiel oder Missverständnis-Falle.
Gutes Feedback ist wie ein Kompass: Es hilft anderen, sich zu orientieren, ohne ihnen den Weg vorzuschreiben. Wer Feedback gibt, übernimmt Verantwortung – nicht nur für den Inhalt, sondern auch für den Ton.
Hier ein paar Grundprinzipien:
- Konkret statt allgemein: „In der Präsentation heute hast du klar strukturiert und ruhig gesprochen“ wirkt hilfreicher als „Du machst das immer gut.“
- Beobachtung statt Bewertung: Beschreiben, was man gesehen oder gehört hat – nicht interpretieren oder urteilen.
- Ich-Botschaften statt Du-Angriffe: „Ich habe mich irritiert gefühlt, als…“ statt „Du hast schon wieder…“
- Zeitnah und im richtigen Rahmen: Feedback wirkt am besten, wenn es frisch ist – und in einer Atmosphäre, die Vertrauen zulässt.
Feedback annehmen – neugierig statt defensiv
Wer Feedback erhält, hat die Chance, blinde Flecken zu erkennen und sich weiterzuentwickeln. Doch oft schlägt das Ego Alarm: „War das jetzt ein Angriff?“
Ein paar Gedanken, die helfen können:
- Zuhören, ohne sofort zu kontern: Auch wenn es unbequem ist – erst einmal durchatmen und nachfragen, falls etwas unklar bleibt.
- Nicht alles persönlich nehmen – aber ernst: Feedback ist eine Perspektive – kein Urteil über den ganzen Menschen.
- Sich bedanken – auch für kritische Hinweise: Wer uns Feedback gibt, nimmt sich Zeit und traut uns Entwicklung zu.
- Sortieren, was passt: Nicht jedes Feedback muss übernommen werden. Aber jedes verdient, geprüft zu werden.
Feedbackkultur braucht Mut und Übung
- In einer konstruktiven Feedbackkultur ist Feedback kein Ausnahmezustand, sondern Teil des Miteinanders. Es ist normal, sich Rückmeldung zu holen – und ebenso normal, sie zu geben. Das braucht Mut, Vertrauen und eine Haltung, die Entwicklung erlaubt. Fehler und blinde Flecken sind nicht peinlich, sondern Potenzial.
- Ob im Team, im Training oder im privaten Umfeld: Wer Feedback als Geschenk versteht – klar verpackt, ehrlich überreicht, offen angenommen –, legt den Grundstein für echtes Wachstum.
Erfahren Sie es selbst
Probieren Sie es diese Woche bewusst aus – ein Feedback geben und eines annehmen. Vielleicht mit einem Satz wie:
- „Darf ich dir eine Rückmeldung geben?“
Oder:
- „Ich würde gern wissen, was dir an meinem Beitrag aufgefallen ist, das bei der Entwicklung hilfreich wäre.“
Kleine Gesten wie diese können viel bewegen.
Redaktion: Catherine Tenger, CLT Training



